Lernen in Projekten

In Reggio will man nicht ein passives Kind etwas lehren, sondern ein aktives, kompetentes Kind in seinen Lernprozessen unterstützen und begleiten.
(Aus Reggio)

Projektarbeit ist ein wichtiger Bestandteil der pädagogischen Arbeit in Reggio Emilia.

In erster Linie bildet sich das Kind durch die Arbeit in Projekten, deren Themen eine Bezug zur Lebensumwelt und Erfahrungswelt des Kindes haben, damit von seitens des Kindes ein hohes Maß an Identifikation möglich ist und die Motivation am Lernen nicht verloren geht.

Das entdeckende, experimentelle Lernen und Lernen durch alltägliche Erfahrungen steht dabei im Vordergrund. Dieses Lernen mit Hilfe von Erkundungen, Fragen und Experimentieren erfordert eine PädagogIn als aktive AssistentIn, WegbegleiterIn, ForscherIn, BeobachterIn,… also jemanden, der bereit ist, das Denken, die Ideen und Handlungen des Kindes bzw. der Kindergruppe ernst zu nehmen, anzuerkennen und für eine förderliche Bildungsarbeit aufzunehmen. Seine Entdeckungen, Empfindungen, Sinnkonstruktionen soll jedes Kind über die 100 Sprachen verarbeiten dürfen! In der Umsetzung eines Projekts wird eine solche Verarbeitung und Vernetzung der 100 Sprachen möglich.

Durch den „Flirt“ mit der Welt kommt es zu einem „sich verlieben“, dabei ist die emotionale Komponente des Lernens angesprochen, die für nachhaltige Lernprozesse besonders wesentlich ist. Erkenntnisse aus Betätigungen und Aktivitäten, die mit positiven Gefühlen verbunden sind, werden besonders gut im Langzeitgedächtnis gespeichert.
In einer anregungsreichen, interessanten und angstfreien Umgebung können Kinder neugierig Neues auf vielfältige Weisen entdecken und lernen, sich in Kinderparlamenten und Projektgruppen offen und mutig austauschen.
Besonders fruchtbar wird ein Lernprozess, wenn es zu einer gemeinsamen Auseinandersetzung mit einer Frage kommt. Über den Prozess der Kommunikatio, Interaktion und Co-Aktion entsteht Co-Konstruktion.

Projektarbeit ist gelebte Partizipation – Entdecken, Forschen, Lernen geschieht im Dialog. Der Geist der Kooperation macht jedes Kind reicher in der Gestaltung seiner Lebenswirklichkeit und Intensität seiner Lernerfahrungen. Der soziale Kontext ist notwendig für die Entfaltung von Selbstbildung!

Fragende, forschende und aktive Kinder wollen ihre Welt hinterfragen, be-greifen und selbst Antworten finden. Das Kind hat ein Recht auf eigene Lösungen und Lernwege. Im Lernprozess, im Zuge der Projektarbeit, steht nicht die Fertigung eines perfekten Produkts im Vordergrund, sondern die eigenständigen Kreationen der Kinder, die ihre Hypothesen, Ideen und ihr Denken – eben ihre Lernwege –  wiederspiegeln.

Vorgefertigtes, Vorgegebenes und perfekte Resultate bspw. Schablonen lösen keine Empfindungen aus! Wenn der Dialog und die kommunikative, liebevolle Auseinandersetzung mit einer Sache ausbleiben, können wir im Sinne der Reggio-Pädagogik nicht von einem Projektlernen sprechen.

Das Kind soll durch experimentelle Versuche und durch Fehler  lernen dürfen!
Ein Kind sagt:LASS ES MICH TUN, DANN VERSTEHE ICH!
So kann sich das Kind die Welt aneignen, ein eigenes Weltbild erschaffen und ein positives Selbstbild entwickeln!
Kinder reifen durch Wertschätzung ihrer Ideen und Werke zu gesunden, selbstbewussten Erwachsenen und werden fähig, mutig Neuem zu begegnen und sich mit neuen Anforderungen auseinanderzusetzen.

Die Reggio-Pädagogik begreift Kinder als Forscher, Entdecker und Konstrukteure von Wissen, Können und eigenen Lernstrategien.
Die Erhaltung der natürlichen Begeisterung und Neugierde, der kindlichen Kreativität und dem Forschergeist, die Orientierung an Interessen der Kinder und die Wichtigkeit des entdeckenden, projektorientierten Lernens sind wesentliche Grundpfeiler der Reggio-Pädagogik.