Geschichte

You can’t understand the schools in Reggio Emilia if you don’t understand the city, the community!
(Jerome Bruner)

Die Stadt Reggio Emilia liegt in der norditalienischen Region Emilia Romagna und ist situiert in einer der größten Industriegebiete Europas. Sie ist schon lange ein Ort demokratischer Tradition und war eine der ersten freien Kommunen im Mittelalter.

1912 wurde bereits der erste nicht konfessionelle Kindergarten gegründet. Während der Zeit des Faschismus mussten viele Einrichtungen aber wieder geschlossen werden.

Durch den Mut zur kraftvollen Zusammenarbeit und zu pädagogischen Initiativen für eine bessere Zukunft der Kinder und deren Rechte bildete sich in der Emilia Romagna eine sehr starke Widerstandsbewegung gegen den Faschismus und die Macht von Autoritäten. Schon bald nach dem 2. Weltkrieg wurde durch eine Elterninitiative und durch den engagierten Einsatz einer starken Frauenbewegung ein unabhängiger selbstverwalteter Kindergarten im damaligen Vorort von Reggio Emilia, Villa Cella, durch den Erlös eines liegengebliebenen Panzers gegründet.

Die Eltern und Erzieher/innen stellten sich die Frage: “Wohin wollen wir unsere Kinder erziehen?”
Ihre Antwort war es, dem bis 1945 vom Faschismus bestimmten Vorschulwesen demokratische und soziale Erziehungsformen entgegen zu setzen. Daher sind heute noch demokratische Erziehung, Solidarität und gerechte Bildungschancen für alle Kinder notwendige Prinzipien in der pädagogischen Arbeit in Reggio Emilia.

Die Ideen dieser nicht traditionellen Erziehungsphilosophie wurden in die Öffentlichkeit getragen und in der Stadt präsentiert. Transparenz und Dialog waren von Anbeginn notwendige Aspekte, um von den „neuen“ pädagogischen Arbeitsweisen zu berichten. Die Aufmerksamkeit der Bürger und Politiker der Stadt wurde gewonnen, ebenso die des jungen Pädagogen und Grundschullehrers Loris Malaguzzi.

Prof. Loris Malaguzzi (1920 – 1994), Pädagoge und Schriftsteller, war von dem Projekt und vom Engagement der Bürger/innen der Stadt Reggio Emilia  so begeistert, dass er sich dieser Initiative anschloss und mit Rat und Tat zur Seite stand.
Er ist (Mit)Begründer, wichtiger Inspirator der Reggio-Pädagogik und war langjähriger Leiter des Koordinationsbüros der kommunalen Einrichtungen in Reggio Emilia bis zu seinem Tod im Jahre 1994.
Obwohl keine Gründergestalt im traditionellen Sinne – wie Fröbel oder Montessori – hat er wesentlich zur konzeptionellen Entwicklung der kommunalen Einrichtungen und der Herantragung an die Öffentlichkeit beigetragen und „theoretische“ Gedanken mitgeliefert. Er wollte zusammenfügen, was sonst im Kindergarten getrennt war: Das Kind, seine Familie und die Umgebung.

So ist heute ein Beziehungsgeflecht von PädagogInnen, Familien, PolitikerInnen, WissenschaftlerInnen und Bürgern der Stadt und der Dialog aller an der Erziehung Beteiligten das Fundament für die Verbreitung der theoretischen und praktischen Ideen der reggianischen Bildungsphilosophie.